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Bruno Stanek

„Die Faszination Weltraum“ – Interview mit Bruno Stanek

Lesen Sie das exklusive Interview mit Bruno Stanek – Luft- und Raumfahrexperte und Referent bei Athenas.

Bruno Stanek ist einer der bekanntesten Schweizer Raumfahrtexperten. Seit mehr als 45 Jahren beschäftigt sich der Mathematiker und Moderator mit der Faszination Weltall. Im Interview spricht er über die Weiten des Alls und seine Vorträge.

 

Herr Stanek, in Ihren Vorträgen sprechen Sie über viele verschiedene Aspekte der Raumfahrt. Woher kommt Ihre Begeisterung für das Weltall?

 

Offenbar aus einer natürlichen Neugier, die im Alter von fünf Jahren in einer damals noch pechschwarzen kleinstädtischen Nacht geweckt wurde. Mir war der prächtig helle Jupiter inmitten des Sternhimmels aufgefallen, aber kein Erwachsener konnte mir meine Fragen beantworten! Einzig mein Bruder besass schon Bücher mit etwas astronomischem Inhalt, und so begann das autodidaktisch, was schliesslich in ein Mathematikstudium mit Promotion über ein himmelsmechanisches Thema mündete. Der Beginn des Weltraumzeitalters nur 9 Jahre nach meiner ersten Faszination lieferte zusätzliche Aktualität, um das Interesse immer weiter zu nähren. Bald befand ich mich selber in der Situation, wo man Mitmenschen Fragen beantworten musste. Weil ich wusste, welche Freude man damit bereiten konnte, fand ich auch daran Spass – und sogar Inspiration.

 

Im Laufe Ihrer Karriere als Raumfahrtexperte haben Sie wichtige Ereignisse der Weltraumforschung hautnah miterlebt. Welches war das beeindruckendste?

 

Wenn man diese Frage nicht so oft hätte beantworten müssen, wäre man da selber nicht sicher. Zu verschieden sind die Höhepunkte der Raumfahrt seit 1957 gewesen, zu verschieden die Kriterien, welche zum Begriff «beeindruckend» führen. Da spielt mit, ob es sich um eine Erstleistung handelt, ob man selber deren Schwierigkeitsgrad ermessen konnte, ob die veröffentlichte Meinung sich mit der eigenen Einschätzung deckte oder wie lange es dauerte, bis die Leistung – wenn überhaupt – anderswo wiederholt werden konnte. Was bei Berücksichtigung all dieser Aspekte herausragt, sind die sechs gelungenen Mondlandungen mit Zweiermannschaften im Rahmen des amerikanischen Mondlandeprogrammes Apollo binnen nur gut drei Jahren von 1969 bis 1972. Als Weltraumberichterstatter beim Schweizer Fernsehen erlebte man die Verblüffung seiner Zuschauer vom Studio bis zu Vortragssälen hautnah. Jene mussten nämlich nach den ersten bemannten Vorbereitungsflügen ab 1968 ob der rasant aufeinander folgenden Ereignisse binnen Monaten von pessimistischen Skeptikern zu überzeugten Optimisten eines neuen Zeitalter mutieren. Dann nach dem Abschluss des Apollo-Programmes unerwartet wieder zurück. Weil der Sieger des Rennens zum Mond nicht den politischen Vorgaben entsprochen hatte, dauerte es aber Jahrzehnte, bis der Triumph, das Unmögliche nur 12 Jahre nach Sputnik möglich gemacht zu haben, beim schwächsten Teil der Zeitgenossen und einem Teil der Medien wenigstens geleugnet werden konnte. Hätte man im Sommer 1969 öffentlich gezweifelt, dass Russland die Leistung nicht schon binnen Wochen überbieten würde, wäre man wohl gelyncht worden. Seither ist ein halbes Jahrhundert verstrichen, und die bemannten Mondlandungen stehen noch immer unüberboten da. Unbemannte Landungen auf Mars und anderen Destinationen im Planetensystem sind zwar ebenfalls gewaltige Leistungen, aber sie gelangen nicht so früh und bei kaum mehr je erreichter medialer Beachtung.

 

Mit Ihren Vorträgen sprechen Sie nicht nur Raumfahrt-Profis an. Wer sind Ihre Zuhörer?

 

Es sind im wahrsten Sinne des Wortes die Geistesverwandten, die in der Epoche der Erweiterung unseres Lebensraumes weit über Pluto hinaus lebenslang fasziniert worden sind. Darunter gibt es sehr junge, die ihre Interessen mit ihren Eltern oder – seltener – Lehrern teilen, und ständig auf der Suche sind, wo ihnen jemand das Thema aktiv näherbringen kann. Interessenten mittleren Alters kennen das Thema und dessen Potenzial aus beruflichen Gründen, haben aber nicht die Zeit, sich so effizient wie ein erfahrener Referent oder Autor zu informieren. Senioren wiederum lassen sich gerne an die Zeit ihrer grössten «ausserirdischen Eindrücke» erinnern oder wollen erfahren, wie es in der Raumforschung inzwischen weitergegangen ist, damit sie die selber erlebte Bgeisterung z.B. ihren Enkeln überzeugend weitergeben können. Frauen und Mädchen erweisen sich manchmal als faszinierte Zuhörerinnen, entweder weil sie selber gerne Astronautinnen werden möchten oder ihnen das Schulsystem nicht genügend geistige Nahrung bietet. Es gibt zwar das Internet, aber selten mit didaktischem Anspruch. Natürlich erreicht das Publikum nicht mehr die Breite wie zur Zeit der Mondlandungen oder den ersten Flügen von ihren Landsleuten im Space Shuttle, aber gerade deshalb wird das Thema in den Medien vernachlässigt. Der Appetit in bildungswilligen Kreisen wird deshalb umso grösser.

 

Kurz zusammengefasst: Wie wird sich die Zukunft der Raumfahrt entwickeln? Brechen wir bald auf zu neuen Planeten?

 

Prognosen sind vor allem dann heikel, wenn sie die Zukunft betreffen, sagte Wernher von Braun, und Albert Einstein fand es besonders erstaunlich, wie unerwartet bis unlogisch sich die Fortschritte innerhalb der Wissenschaftsgeschichte bisher gefolgt sind. Als ziemlich sicher würde ich daher einzig bezeichnen, dass die Raumfahrt früher oder später eine grosse Zukunft haben wird, denn ein zweiter Planet wie Mars «so ganz in der Nähe» wird einem nicht überall geboten. Dies sogar in einem riesigen Universum, das uns aus derzeitiger Sicht weitherum ganz allein gehört. Zu Beginn des Raumfahrtzeitalters hiess es noch, dass nur Diktaturen derart «übermenschliche» Anstrengungen meistern könnten, aber zwei Generationen später hatte sich gezeigt, dass dies überhaupt nicht stimmt und eher unvermeidliche Alterungsprobleme in den nationalen Raumfahrtorganisationen von Russland und den USA in die Stagnation führen können. Völlig unerwartet war auch die späte Erkenntnis, dass die staatliche NASA das Rennen zum Mond ohne die übermenschliche Leistung von Hunderten Privatfirmen nicht gewonnen hätten! Staunen tut die Welt heute über die von Hochschulinstituten entwickelten amerikanischen Flüge zu Planeten oder die US-Privatfirma SpaceX, die inzwischen Raketen und Raumschiffe für einen Bruchteil der Kosten staatlicher Hoflieferanten produziert und startet. Deren Gründer Elon Musk hat es sich zum Ziel gesetzt, noch innerhalb seines Lebens die ersten Menschen zum Roten Planeten zu entsenden.

 

Neben der Raumfahrt: Was begeistert Sie sonst noch?

 

Da sind die biologische Evolution auf unserer Erde im allgemeinen und von uns Menschen im besonderen zu nennen, mit all ihren Bezügen zur Frage, ob wir denn in diesem Universum die einzigen sind. Als Mathematiker fand ich es als eine besonders befriedigende Tätigkeit, das kräftigste aller geistigen Werkzeuge auf die Lösung der mich interessierenden Probleme anzuwenden und diese Fähigkeit bis in die jüngere Gegenwart bzw. mein heutiges Alter zu bewahren. Die Programmiertätigkeit erwies sich als roter Faden im Leben, von Himmelsmechanik-Projekten an der ETH über den frühen Einsatz Computer-generierter Filme für meine TV-Berichterstattung bis zu Hunderten von didaktisch anspruchsvollen astronomisch/astronautischen Videos und Simulatoren für meine DVD-Weltraumlexika. Nebenbei wurde ich auch kommerzieller Softwareproduzent, was sich als eine fruchtbare geistige Ertüchtigung erwies. Das Schreiben von einem Dutzend Sachbücher und anderen Werken sowie nochmals die gleiche Zahl an elektronischen Publikationen (seit 20 Jahren auch als Verleger) mitsamt der begleitenden Vortragstätigkeit als wertvolle Sozialkontakte waren seit Jahrzehnten Hobby und Beruf zugleich. Einen Ausgleich fand ich immer in Informationsreisen, v.a. in die USA, über Jahre hinweg zusammen mit der Familie. Bei der Erziehung von zwei Söhnen erwiesen sich diese Horizont-Erweiterungen als eine besonders lohnende Investition.

 

Herr Stanek, wir danken Ihnen für das Gespräch!